Vorwort

Manche Probleme beginnen schon im Kleinsten. Je genauer man zum Beispiel die Position eines Teilchens zu bestimmen versucht, desto ungenauer lässt sich seine Geschwindigkeit messen – und umgekehrt. Für eine möglichst genaue Messung verwendet man kurzwellige Strahlung. Die ist aber energiereicher und verändert so, wenn sie auf das Teilchen trifft, bei der Messung dessen Impuls. Oder: Wie oft wollte man jemanden beobachten – und sah ihm plötzlich in die Augen, weil er den Blick im Rücken spürte. Der Beobachter ist also immer schon Teil der Versuchsanordnung.“Die Umstände, unter denen jemand bereit ist zu  erzählen, sind sehr fragil“, sagt der Dokumentarfilmer Christophe  Gargot. Auch hier ist die Versuchsanordnung komplex, und der  Beobachter – Zuschauer wie Filmemacher – ist Teil der Szene. Und so setzt Thomas Heise ganz auf eine autonome Wahrnehmung des  Zuschauers, das Kollektiv Gob Squad experimentiert mit der Unvorhersehbarkeit der Realität, und Apichatpong Weerasethakul besucht die von Geistern bewohnten Orte seiner Erinnerung.

Ergänzt wird dieses Heft durch unsere Vertikale, in der Mark Peranson die systemimmanenten Zwänge des internationalen Festivalzirkus aufzeigt.

Die Herausgeber

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