• 18. Februar 2018

WOCHE DER KRITIK, DRITTER TAG

Katrin Eissing über YET TO RULE von Mihaela Popescu

C: Dorotheea Petre, Cuzin Toma, Olimpia Melinte, Teodor Corban, K: Marius Panduru, RO 2018, 93 Min., rumänische OmeU – WORLD PREMIERE

Was genau…bedeutet der Titel eigentlich?
Eine dunkle Wohnung. Die gesellschaftsbedingten rechten Winkel, werden schmerzhaft bewusst als Grundbedingung in der wir leben (müssen)…, sobald der stark und männlich aussehende Mann aus seinem Bett gezerrt und von einer kleinen Frau (die nicht die ist, die auf der anderen Hälfte des Ehebettes liegt) wie ein Tier angeleint und zum Laufen in den Park geführt wird. Alles was wild, frei begehrlich ist, konzentriert sich fortan erst einmal auf seinen Körper. Die Geschichte ist sozusagen von Anfang an von ihrer „Story“ befreit. Der sensible Rhythmus aus Farben und Bildern, den Menschen darin und ihrer Ausstrahlung wirkt wie freigelegt und kann selbst offenbaren. Die Dunkelheit des Filmes gleicht einem Schutz für uns Zuschauer vor einer blendenden Wahrheit. Im Sexklub mit Frauen die wunderschön, begehrenswert und doch immer Menschen sind (es geht also) wird ganz und gar klar wie verzweifelt schwer… dieses, unser Leben in ständiger Balance zwischen Begehren und Missbrauchen für alle ist. Durch die Welt läuft nicht nur ein Riss… Erstaunt verwundernd, dass surreal und real eben gleichzeitig ein Film sein kann. Dabei ist das natürlich die Essenz eines „Filmes“, Trotzdem immer wieder, quasi rythmische auftretende Verwunderung. Die Ver und Entmischung funktioniert nicht nur zwischen der fremd bleibenden Frau, die für den Mann spricht, sondern auch zwischen den zwar kunstvoll, gekünstelt gedrehten und gleichzeitig dokumentarischen Gerichtsszenen, die in dieser Form dann wieder wie komplett ausgedacht wirken. Permanent wird die eigene Welt und Verschiebung in Gesellschaft sichtbar. Männer und Frauen…Trauer um die Welt. Anerzogene Wahrnehmung, fremd im eigenen Körper sein. Das Begehren, dass uns zusammenschmiedet und gleichzeitig trennt… einfach herzzerreissend… Der Mann, zwingt sich selbst (oder wird … aber eben tatsächlich nicht imaginiert-imaginiert, von „seiner inneren“ Frau gezwungen) vom Dach zu springen. Dann kommt dies zarte wie schwebende Ende, die Aufnahmen der Menschen auf der Strasse, der liebevolle Blick auf die Welt. Gegenwart und Zukunft zugleich.

Das Thema des Abends: STRUKTUREN SPÜREN

Ist wirklich sehr gut getroffen. Die Woche der Kritik ist sich ihres Glücks, diesen Film als Weltpremiere zeigen zu dürfen, nicht bewusst-

Ein Übergang, Transgendergeschichte? Die grosse schmerzliche Liebe zu „den Anderen“, den Männern von denen Frau sich zeitweise trennen muss. Ein Abschied? Ein Film als Tat.

P.S.: Puh…Was für ein mutiges, tolles Spielfilm Debut. Ich würde jetzt natürlich sehr gern die Dok-filme von Frau Popesco sehen, einer war gerade im Wettbewerb der Internationalen Dokfilmwoche Leipzig. Schade, der Film wäre angesichts der „Me-too-Debatte“ eine grossartige Gelegenheit gewesen nicht nur auf der Woche der Kritik zu laufen, sondern die Berlinale aufzumischen…wundert mich natürlich NICHT. Aber dorthin hätte: Yet to rule und mit Pomp und Party …. gehört.

YET TO RULE von Mihaela Popescu, C: Dorotheea Petre, Cuzin Toma, Olimpia Melinte, Teodor Corban, K: Marius Panduru, RO 2018, 93 Min., rumänische OmeU – WP