• 13. Februar 2015

WOCHE DER KRITIK – TAG 7

DIE LÜGEN DER SIEGER von Chistoph Hochhäusler 
 

Die Welt ist komplex, die Gesellschaft
der Menschen von Verrat durchzogen, dessen ist man gewiss nach den
wundervoll durchleuchteten, schwankenden 110 Minuten. Wir bekommen
eine Fabel erzählt, uralte, tragische Geschichte. Unsere
Filmrezeptoren passen nicht so richtig, sie knistern. Das Ganze ist einfach
eine Spur drüber. Den Figuren Schematismus vorzuwerfen wäre so
ähnlich wie im Theater Lady Macbeth, dass sie so böse ist. 

Abstrakt und Real, Innen und Aussen, verschwinden, verschränken sich. Das schafft Beunruhigung und das
wiederum Bewegung. Ich mußte manchmal an Wasser denken, durch das
man auf einen welligen Sandboden gucken kann, auf dem dann die
Reflexe zu sehen sind, also visuell schon mindestens drei Lagen.
Die Geschichte muss dann
gradlinig sein, jedenfalls bei C.H., wird aber hier an einigen
Stellen dünn, subtil. Da geht es auch um Show und Schauspiel an
sich. Das Brüchige in dieser, von einem so starkem Willen gesetzten Form,
ist irritierend. Auf herzbewegende Weise also auch physisch spürbar. Der Zug läuft nicht über die Emotion, sondern über Räume.
Tolle Bilder von Berlin, die ewigen
Spiegelungen, die sich wie ein Schleier über alles legen, durch
Unschärfen angeschnittenen Gesichter. Das Ornament ist extra und jedes Bild ein Genuss. Schon
das allein reichte ja aus, um diesen Film als Kunstwerk zu würdigen.*
Das anschliessende knatschige Herumdiskutieren war beiden Filmen einfach nicht angemessen.** Es war das zweite Mal überhaupt, dass dieser sehr besondere Film in Deutschland gezeigt wurde. Das Team war da. Jemand, einer der Gastgeber? hätte
zu Beginn oder jedenfalls einmal ganz deutlich sagen müssen: Was für ein tolles Werk. Danke, dass du uns
diesen Film gezeigt hast und auch noch geduldig das Gequatsche hier
anhörst. Stattdessen sagte
Christoph Hochhäusler trotzdem noch Sachen wie: “Es muss Kristalle
geben, die unsere Existenz reflektieren.” Nein, das hört sich nicht zu gross an, das ist grossartig.
„Mit dem Frieden ist es ganz
einfach: Entweder es gibt ihn – oder es gibt ihn nicht. Frieden lässt
sich nicht steigern und nicht minimieren. Er kommt weder in kleinen
Dosierungen noch in prunkvollem Gewand daher.”
Das stand heute früh
in der Süddeutschen Zeitung über die Verhandlungen in der Ukraine
(um einmal ganz poolitisch und aktuell zu sein)
So ist das auch mit der Kunst. Manchmal überschneiden sich Attribute,
Faktoren, Begehrlichkeiten, manchmal aber nicht. Es gibt Kunstwerke
und Handelsware, Würste auf dem Grill oder Lichtstrahlen.***
Katrin Eissing
Der Kurzfilm mit Schostakowitschmusik 
MAN MÜSSTE RÄUBER SEIN, ODER ZUMINDEST SPRENGMEISTER, R: Jan Bachmann, 
gefiel mir auch sehr
ich geh jetzt erstmal zu dem politischen Film der Aktivistengruppe 
THE YES MAN www.theyesmen.org. Er heisst:

YES MAN 
*“Katrin Eissing ist befreundet.”
Stimmt, aber das ist auch ohne irgendeine Meinung ein grosser Film. 
***Ja gibt auch beides gleichzeitig und so weiter …
**das war an fast allen Abenden so,
ausser wenn sehr berühmte bzw. alte Leute da waren. Ich finde da sollten
sich die Veranstalter mal was überlegen, für die Zukunft. Jemand
der, unter oft so schweren Bedingungen entstandene,  Arbeiten, kuratiert, muß sehr gut für die Künstler sorgen finde ich. 
very precious

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Revolver-Blog

    Leute, bitte kommentiert nicht anonym.

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