In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Erscheint Ende nächste Woche: das neue Heft.
Wir baten befreundete Filmemacher / Künstler / Gruppen aus aller Welt um ein Manifest von heute. Herausgekommen ist eine wilde Mischung, die wir zweisprachig veröffentlichen.
Beteiligt haben sich:
Abramovic, Marina
Bujalski, Andrew
Denis, Claire
Eissing, Katrin
Gobsquad
Hochhäusler, Christoph
Jacobs, Azazel
Karmakar, Romuald
Lemke, Klaus
M+M
Menkes, Nina
Mentrup, Mario
Müller, Franz
Newhard, T.
Parallelaktion
Penzel, Werner
Rikun, Zhu
Sachs, Ira
Sattel, Volker
Schanelec, Angela
Siegel, Amie
Vermillard, Marie
Weerasethakul, Apichatpong
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Bestellen kann man das Heft hier, das Abo (11 Euro für 2 Hefte im Jahr) gibt es dort. Weil Revolver zugleich Buch und Zeitschrift ist, kann man das Heft in jedem Buchladen ordern (Revolver Heft 26. Im Verlag der Autoren. ISSN 1617-6642. ISBN: 978-3-88661-347-2).
(Eingestellt von Christoph)
