In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Veranstaltungshinweis:
„Deutschland hysterisieren. Fassbinder, Alexanderplatz.”
Eine Buchpräsentation von Manfred Hermes / im Gespräch mit David Weber.
Am Mittwoch, den 15. Juni um 20.30 h
in der Buchhandlung PRO QM (Almstadtstraße 48-50, Nähe Volksbühne, Berlin).
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| RWF bei der Arbeit. Im Hintergrund: Hanna Schygulla in der Rolle der Eva. |
Aus dem Programmtext:
„Die TV-Serie „Berlin Alexanderplatz“ nimmt in Fassbinders Werk eine zentrale Stellung ein, sie umkreist eine Menge großer Themen: Problematik der geschlechtlichen Position, Mitwelt der Tiere, Rolle der Medien, Psychiatrie und Sozialstaat, Frage nach Herrschaft, Schicksal und Freiheit. Selbst die Empirie von 1929 wirkt heute nachvollziehbarer als sie es 1980 sein konnten: Krise von Parlamentarismus und Sozialstaat, hohe Arbeitslosigkeit, organisierte Kriminalität als Wirtschaftsfaktor. (…) „Deutschland hysterisieren“ fragt in essayistischer Form, wie und wodurch ein gegebenes Kunstwerk denkt, und wozu.”
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Chronik Revolver: Manfred Hermes, Autor und Journalist, hat 2005 an der Revolver-Diskussion „Perspektive Filmkritik” teilgenommen und für den daraus hervorgegangenen Schwerpunkt Filmkritik (Heft 14) den Text „Tja” beigetragen.
(Eingestellt von Christoph)
