In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
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| Ein Bild aus Weerasethakuls ‚Nabua Triptych‘. |
Der Blogger Girish hat eben auf eine neue Filmzeitschrift verlinkt, die einen Besuch lohnt: LUMEN, gegründet von Edwin Mak und Matthew Flanagan. Die erste Ausgabe ist (natur-mystizistisch aktuell) mit FORESTS überschrieben, und enthält Texte, Fundstücke und Bilder – darunter das oben abgebildete von Revolver-Favorit Apichatpong Weerasethakul * – die das Thema Wald umkreisen. Das Inhaltsverzeichnis ist sehr vielversprechend:
Preface by Edwin Mak & Matthew Flanagan
Woodland selection from Trilogy by Daniel Gustav Cramer
‘That is no ship. That is no forest’ : wild being in Herzog’s Aguirre by Dylan Trigg
The Acinema of Philippe Grandrieux : on Un Lac by Rodney Ramdas
An interview with Daïchi Saïto
it is something invisible by Matthew Swiezynski
Forest Notes : Trees as Wind instruments in Bresson’s Mouchette
Nabua Triptych by Apichatpong Weerasethakul
A conversation with Lav Diaz, introduced by May Adadol Ingawanij
Raya Martin’s Independencia by Miguel Marías
Modern Cinema by Denis Lévy
Letter to Helmut Färber : on Quei Loro Incontri by Tag Gallagher
Six dialogues by Cesare Pavese, introduced by Matthew Flanagan
The Flood, The Beast & The Witches by Cesare Pavese, translated by Tag Gallagher
*)
Siehe Revolver Hefte 15 & 21; A.P.’s erster Spielfilm BLISSFULLY YOURS ist in unserer DVD Edition erschienen.
(Eingestellt von Christoph)
