In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Ulrich Gregor – Filmkritiker, Filmhistoriker, Festivalleiter, Gründer der Freunde der Deutschen Kinemathek und des Kinos Arsenal usw. – wird 80 und das wird (unter anderem) mit einem selten zu sehenden Film begangen, natürlich im Arsenal.
Di, 18.9., 20h, mit anschließendem Umtrunk
VALEHTELIJA Der Lügner Mika und Aki Kaurismäki Finnland / BRD 1981 OmE 53‘
Der Film ist eine eigenwillige Hommage an den Gangsterfilm, Jean-Pierre Léaud und die Nouvelle Vague. Mit Aki als unheilbarem Lügner Ville Alfa in der Hauptrolle läutete er eine neue Zeit im finnischen Kino ein.
Hier ein wunderschönes Interview vom letzten Jahr, gemeinsam mit seiner Frau und Mitstreiterin Erika Gregor. Darin gibt es diesen schönen Merksatz für Festivalbesucher: „Wenn man isst, schläft man ein.”
Wir gratulieren schon mal sehr herzlich!
(Eingestellt von Christoph)
