In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Eine Gelegenheit, Aleksandr Sokurov „persönlich” kennenzulernen: SON OF ATLANTIS, ein Videoessay von Marko Bauer, Luka Umek und Dasa Cerar, der auf einem Interview basiert, das 2006 auf dem Festival Mannheim-Heidelberg gemacht wurde. Das Video ist eine Beigabe zur Schriftform des Gespräches, das sich ebenfalls in der neu erschienenen 61. Ausgabe von Senses of Cinema findet. Für mich vergnüglich, dass die Fragen immer mindestens doppelt so großkünstlerisch-blumig sind wie die Antworten – und das will was heissen bei Sokurov …
(Eingestellt von Christoph)