• 26. November 2018

REVOLVERKINO + CRITIC.DE: GAY PANIC!

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Vom 28. bis 30.11. ist critic.de beim Revolverkino im Berliner Gropius Bau zu Gast. Auf dem Programm stehen US-amerikanische Horrorfilme aus den 80ern, in denen selbst nur vermutete Homosexualität großes Unbehagen auslöst. 

Im US-amerikanischen Horrorkino der 1980er Jahre finden sich immer wieder Geschichten, Motive und Momente, in denen sogar nur vermutete Homosexualität großes Unbehagen auslöst. Die fünf Filme in der Reihe Gay Panic! – allesamt als 35-mm-Kopien präsentiert – erzählen mal durch diffuse Subtexte, mal sehr konkret von einem verunsichernden Einzug des Anderen, das besonders auf junge Männer eine furchteinflößende, traumatisierende, ja sogar ansteckende Wirkung zu haben scheint.

Statt das Schwule jedoch zu dämonisieren, thematisieren die Filme vielmehr innere Kämpfe und unterdrückte Begierden, stellen die Diktatur des vermeintlich Natürlichen infrage und erliegen gemeinsam mit ihren Figuren der Faszination des Unbekannten. Nicht zuletzt will die Reihe auch einem Genrekino Tribut zollen, das selbst sein Verhältnis zur Norm immer wieder hinterfragt, weil es zwar auf bewährten Erzählmustern basiert, mit seinem Hang zum Exaltierten, Überkandidelten und Albernen zugleich aber auch eine eigene Ästhetik jenseits von bürgerlichen Geschmacksvorstellungen findet.

Programm (der Eintritt zu allen Vorfühungen ist frei):

Mittwoch 28.11.2018
19:30 Uhr Sleepaway Camp
Robert Hiltzik, USA 1984, 84 Minuten
35 mm (Courtesy Phil Blankenship Collection at the Academy Film Archive), englische Originalversion

Ein vor allem wegen seines finalen Plottwists bekannter, aber bei Weitem nicht nur deshalb interessanter Slasher über einen geheimnisvollen Mörder, der ein Jugendcamp in Angst und Schrecken versetzt. Irgendwo zwischen zotiger Teenie-Komödie und düsterer Reflexion über die pubertäre Überforderung mit dem eigenen Körper stellt Regisseur Robert Hiltzik mit sympathischer Unbekümmertheit normative Vorstellungen auf den Kopf.

21:00 Uhr Diskussion mit Michael Kienzl (Redakteur, critic.de) und Christoph Draxtra (Filmhistoriker)

 

Donnerstag 29.11.2018
19:30 Uhr Night Warning aka Butcher, Baker, Nightmare Maker 
William Asher, USA 1982, 96 Minuten
35 mm (Werkstattkino München), englische Originalversion
Kopie aus dem Archiv des Werkstattkinos München

Während ein schwuler Sportlehrer hier zu den wenigen sympathischen Figuren zählt, verleiht Regisseur William Asher machohafter Homophobie das Gesicht eines völlig verblödeten Cops und pervertiert Mutterliebe genüsslich als Keimzelle totaler Zerstörung. Eine immer exzessiver werdende, ödipale Gruselgeschichte, in der Kristy McNichols’ hübscher Bruder Jimmy stets auffällig wenig anhat und Susan Tyrell eine der wohl entfesselsten und wahnwitzigsten Schauspieldarbietungen der Filmgeschichte liefert.

21:10 Uhr Boys Beware 
Sid Davis, USA 1961, 10 Minuten
Digital File, englische Originalversion

Per Anhalter in die Hölle 1: Ein bösartig homophober, wenn auch heute vor allem komischer Aufklärungsfilm, der vom Inglewood Police Department koproduziert wurde. Männliche Jugendliche sollen darin vor „kranken“ älteren Herren gewarnt werden, die nicht nur ihre Freunde sein wollen.

21:20 Uhr The Hitcher
Robert Harmon, USA 1986, 97 Minuten
35 mm (Kansallinen audiovisuaalinen Helsinki), englische Originalversion mit finnischen und schwedischen Untertiteln

Per Anhalter in die Hölle 2: Ein unwiderstehlich diabolischer Rutger Hauer als Serienmörder will hier dem damaligen Teenie-Idol C. Thomas Howell weniger ans Leben als an die Wäsche. Weil der sich aber ziert, folgt ein ebenso minimalistisch inszeniertes wie actionreiches Katz-und-Maus-Spiel in der texanischen Wüste. Dabei scheint die dunkle Macht, die den aufdringlichen Fremden antreibt, nicht nur etwas Uneingestandenes beim Protagonisten freizulegen, sondern sogar – ganz der damaligen AIDS-Hysterie entsprechend – ansteckend zu sein.

 

Freitag 30.11.2018
19:30 Uhr Überraschungsfilm 1
Jack Sholder, USA 1985, 82 Minuten
35 mm (Komm Kino Nürnberg), deutsche Fassung

Ziemlich schräger Teil einer berühmten Horrorserie, mit männlicher Scream Queen und einem ausgeprägten Faible für schlechten Geschmack. Unklar bleibt, ob es wirklich der übernatürliche Killer ist, der den jungen Helden hier an den Rand der Verzweiflung treibt, oder vielmehr ein unterdrücktes Begehren.

21:00 Uhr Überraschungsfilm 2
William Friedkin, USA 1980, 102 Minuten
35 mm (Warner Archiv London), englische Originalversion

Ein später New-Hollywood-Film, der den Zuschauer gemeinsam mit seinem sich langsam verwandelnden Protagonisten immer tiefer in eine faszinierende Schattenwelt zieht. Lange Zeit und völlig zu Unrecht als schwulenfeindlich verrufen, handelt es sich tatsächlich um einen majestätischen, queeren Neo-Noir über fragile Identitäten und homophoben Selbsthass.

Dieser Post erschien zuerst auf critic.de