In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Der Verband der Deutschen Filmkritik e.V. (VDFK) veranstaltet diesen Donnerstag ein Symposion zum Thema „Berlinale” (Donnerstag, 13. Oktober, 13.00-19.30 Uhr, Berlin, Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Platz, Potsdamer Straße 2, Eintritt frei).
Dieter Kosslick hat seine ursprüngliche Zusage wieder zurückgezogen, weil er ein „Tribunal” fürchtet, was andere Branchengrößen möglicherweise motiviert hat, ebenfalls abzusagen. Einen der frei gewordenen Stühle werde ich besetzen, um 15.30 h soll ich über die Berlinale als „Startrampe ins Kino” mitdiskutieren. Das mache ich gerne, denn: „Kritik ist Liebesdienst”.
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„Was bewegt, was ist wichtig, wohin geht der Weg?” – fragt die Titelseite der Berlinale-Website. Der VDFK fragt sich das auch.
(Eingestellt von Christoph)
