In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Die Eheleute Ray und Charles Eames, zwei der prägendsten Designer des 20. Jahrhunderts, die zusammen Möbel, Häuser, Schriften und vieles mehr entworfen, erprobt und dokumentiert haben, waren immer wieder auch als Filmemacher tätig. Zwischen 1950 und 1982 haben sie über 100 Kurzfilme gemacht, meist direkt bezogen auf ihre Arbeit (THE FIBERGLASS CHAIRS, 1970), gelegentlich auch für die Produkte anderer (SX-70, 1972), oft für Messen und Ausstellungen (POWERS OF TEN, ihr bekanntester und vielleicht auch schönster Kurzfilm, entstand für eine IBM-Ausstellung 1977) oder einfach zu ihrem Vergnügen (BLACKTOP, 1952 – über die Formen, die Wasser und Seife auf dem Asphalt bilden). Weil ich nichts lieber sehe als die Genese einer Handarbeit – sozusagen die Urszene jeder Erzählung – würde ich die Filme ohne Zögern zu meinen wichtigsten Einflüssen zählen.
Hier eine Youtube-Auswahl:
POWERS OF TEN (1977) – „a film dealing with the relative size of things in the universe and the effect of adding another zero”.
THE FIBERGLASS CHAIRS (1970) – „something of how they get the way they are”.
SX-70 (1972) – über die Technik und Idee hinter der SX-70 von Polaroid.
TOCCATA FOR TOY TRAINS (1957) – ein Film über altes Spielzeug und den Sinn der Abstraktion.
DESIGN Q & A (1972) – Charles Eames beantwortet Fragen zum Design, manchmal mit „Ja” oder „Nein”.
(Eingestellt von Christoph)