In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Kevin B. Lee, der Kopf hinter dem legendären Internetprojekt Shooting Down Pictures (zur Zeit leider ruhend versammelt die Seite kurze Videoessays – von Lee und anderen – entlang der 1000er-Liste von They Shoot Pictures) schreibt / produziert zur Zeit für die noch wenig bekannte Streamingsite Fandor (die hierzulande nicht funktioniert). Auf dem dazugehörigen Keyframe Blog empfiehlt er diese zwei Videos von Serena Bramble – für Lee „eine neue Thelma Schoonmaker” – die vielleicht weniger „filmvermittelnd” als suggestiv sind und durch die Eleganz ihrer Montage bestechen.
(Mehr zu Bramble auf ihrem Videokanal und Blog)
(Eingestellt von Christoph)