In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Unsentimentale Beobachtung:
BIRDS
von Ulu Braun 15’
Experimentalfilm, Deutschland
Verlust in einer glücklichen Familie:
AS ROSAS BRANCAS
von Diogo Costa Amarante 20’
Spielfilm, Portugal
Freie Utopie:
AFRONAUTS
von Frances Bodomo 14’
Experimentalfilm, USA
Gezeichnete Verführung:
DO CERCA TWEGO
von Ewa Borysewicz 10’
Animation, Polen
Girl-meets-boy:
PERSON TO PERSON
von Dustin Guy Defa 18’
Spielfilm, USA
Meine Lieblinge in den fünf Programmen der BERLINALE SHORTS 2014
P.S.
Warum nicht ein gut komponiertes Programm mit
kurzen Filmen sehen, bei denen die Chance etwas zu entdecken allein wegen der
Anzahl höher ist? Inklusive Filme von Außenseitern und Newcomern. Wie „Vilaine
fille, mauvais garçon“ von Justine Triet, der 2012 bei den Berlinale Shorts zu
sehen war und deren erster langer Film „La bataille der Solférino“ dieses Jahr
in Cannes lief. Kurzfilme bieten den schnellsten und durch
die Genrevielfalt auch abwechslungsreichsten Zugang zum Filmemachen der Welt.
kurzen Filmen sehen, bei denen die Chance etwas zu entdecken allein wegen der
Anzahl höher ist? Inklusive Filme von Außenseitern und Newcomern. Wie „Vilaine
fille, mauvais garçon“ von Justine Triet, der 2012 bei den Berlinale Shorts zu
sehen war und deren erster langer Film „La bataille der Solférino“ dieses Jahr
in Cannes lief. Kurzfilme bieten den schnellsten und durch
die Genrevielfalt auch abwechslungsreichsten Zugang zum Filmemachen der Welt.
Man könnte diese Filme auch in die allgegenwärtigen Rezensions-Listen einarbeiten. Gerade den aufgeklärten Kritiker dürfte ja nicht abschrecken, dass diese Filme eher nicht ins Kino gelangen, denn das werden die meisten langen Filme der Berlinale ja auch nicht. Ihr Publikum finden sie dennoch.
(Saskia Walker)




