In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Ich habe vor ein paar Tagen zu meiner großen Freude festgestellt, dass man auf Youtube die komplette Sitcom „Lucky Louie“ sehen kann. „Lucky Louie“ ist in gewisser Weise die Vorzeichnung zur wunderschönen Serie „Louie“ von Louis C.K. . Ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, was mir besser gefällt: Zeichnung oder Malerei. Es ist wahrscheinlich auch egal. Das Tolle an der Sitcom ist, dass Pamela Adlon in jeder Folge mitspielt. Was hier über die Kleinfamilie verhandelt wird, ist bretthart und saulustig. Es ist erstaunlich, wie universell man erzählen kann, wenn man erst mal im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runterlässt. Und dann muss man das natürlich auch noch so brutal und fein und liebevoll spielen wie die beiden. Ganz große Kunst auf jeden Fall, in der Tradition von Shaw, Twain, Vonnegut und allen großen Moralisten… einfach toll.
Franz
p.s.: zur Malerei nächste Woche ausführlicher im neuen Cargo Heft
