In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Am 9. Januar gibt es ein neues REVOLVER LIVE zum Thema „Sprechen im Spielfilm”. Zu Gast ist die französische Kuratorin, Dozentin und Kritikerin Marie-Pierre Duhamel.
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| Marie-Pierre Duhamel (Foto: Erik Bullot) |
Anhand konkreter Filmbeispiele wollen wir (d.h. Revolver-Mitherausgeber Christoph Hochhäusler und Duhamel) über die Entwicklung des Dialogs in der Filmgeschichte sprechen, mit einem besonderen Augenmerk auf die Rolle des Fremden im Kino, im Sinne einer Figur, der fremden Erfahrung, und als Rahmen des „Eigenen”. Dabei soll es insbesondere auch um verschiedene Realismen im Schreiben von Dialogen gehen – und um die Frage, welcher Grad der Abstraktion im Kino am besten mit unserer Erfahrung im Leben korrespondiert. Ich stelle mir den Abend schlaglichtartig und diskursiv vor; es geht durchaus nicht um Vollständigkeit oder Ausgewogenheit.
Die Diskussion wird auf Englisch stattfinden, auch um den Aufwand der Einmischung seitens des Publikums möglichst gering zu halten. Alle Filminteressierten sind herzlich eingeladen.
REVOLVER LIVE (26)
‚I AM A STRANGER HERE MYSELF‘ – NOTES ON TALKING PICTURES
MARIE-PIERRE DUHAMEL in discussion with Christoph Hochhäusler
Monday, 9.01.2012, 19.30 h at Roter Salon / Volksbühne.
Mehr dazu demnächst.
Die Veranstaltung versteht sich als Fortsetzung der Serie „Cinema in Transition” (Erster Gast war Olivier Père).
(Eingestellt von Christoph)
