In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Radiotipp: Heute, am 1.07.2011 um 21.03 h sendet Radio Bayern 2
Ayako Mogi / Werner Penzel
NOMADOMURA – 800 km südlich
Aufzeichnungen nach einer Katastrophe
Mit Beiträgen von Kumi Aizawa, Samm Bennett, Haruna Ito, Io Lula Bennett-Ito, Shinobu Ito, Ben Matsuno, Nico Matsuno, Ayako Mogi, Yurie Nagashima, Hitomi Onishi, Takashi Serizawa u.a.
Aus dem Japanischen und Englischen von Tobias Limbach-Hashimoto, Alex Rühle, Midori Satsutani, Anja Straßberger, Marlene Weiss, Carl-Ludwig Reichert
Komposition: Misa Shimomura, Regie: Bernhard Jugel, BR 2011, Länge: ca. 60′
„11. März 2011, 14.46 Uhr Ortszeit. Ein Erdbeben der Stärke 9,0 auf der Richterskala erschüttert die Erde der japanischen Region Tōhoku. Kurze Zeit darauf zerstört ein vom Beben ausgelöster 10 Meter hoher Tsunami die östlichen Küstenregionen Japan und es kommt zu massiven Unfällen in mehreren Atomkraftwerken, insbesondere in Fukushima: Die in Japan lebenden Filmemacher Ayako Mogi und Werner Penzel öffnen unter den Eindrücken der dreifachen Katastrophe mit einem Aufruf per Internet ein altes Schulhaus auf der Insel Awaji-Shima, 800 km südlich des Katastrophengebiets, für Flüchtlinge. Hier betreiben sie seit 2009 ein Kulturprojekt namens „Nomadomura“, zu Deutsch „Nomadendorf“. Ein Name, der plötzlich eine neue Bedeutung bekommt…”
Das einstündige Hörprogramm schildert Erfahrungen, Ängste, Träume der bei Nomadomura Gestrandeten – das Projekt ist den Lesern dieses Blog auch als „Japan Children Rescue” bekannt. Wer kein Radio hat, kann die Sendung auch als Livestream über das Internet empfangen über
Der direkte Link zum Livestream-Fenster ist:
http://www.br-online.de/br/jsp/seitentyp/liveStreamFenster.jsp?welle=bayern2
(Eingestellt von Christoph)
