In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Die Möglichkeiten, Filme online zu sehen, wuchern – und provozieren die Frage nach einem Filter. thoughtmaybe.com ist eine nach eigenen Angaben unabhängig finanzierte und werbefrei operierende Plattform, die im weitesten Sinne politische Filme versammelt, um zu informieren und „Action” zu inspirieren (wie soll man das übersetzen?). Darunter finden sich Arbeiten von Adam Curtis (die ich hier einmal mehr empfehlen möchte), Agnès Varda, Lutz Dammbeck, Alex Gibney, Eugene Jarecki, Nikolaus Geyrhalter, Erwin Wagenhofer und anderen. Die Auswahl ist nicht cinephil, sondern topical, es geht um Globalisierung (No Logo), Finanzkrise (Inside Job) oder Umweltverschmutzung (Toxic Imperial Valley), kurz um die Reizthemen der Protestbewegungen jüngerer Zeit. Eine gute Gelegenheit, die Frage der Tauglichkeit des Mediums Film als politisches Werkzeug zu überprüfen – und die eine oder andere (Empörungs-) Lücke zu schliessen.
P.S.: Die Bildqualität ist leider durchwachsen – ein Beweis für die inhaltliche Schwerpunktsetzung?
(Eingestellt von Christoph)
