In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Kurz gemeldet:
Beate Beckers einstündiges Radio-Feature anlässlich Werner Herzogs 70. Geburtstag (das am 1.09. auf Deutschlandradio zu hören war) wird im Eiszeit-Kino noch einmal aufgeführt. Und damit die Leinwand nicht ganz leer bleibt, begleiten das Radio-Kino Fotografien von Hans-Christian Schink (das Bild oben zeigt einen entlegenen Teil des Mulholland Drive in Los Angeles).
28. Oktober 2012, 21 Uhr, Eintritt frei
WERNER HERZOG – PORTRAIT EINER LEIDENSCHAFT
Mit: Lucki Stipetic, Peter Zeitlinger, Werner Sudendorf, Chris Wahl sowie als Sprecher Geno Lechner, Max Urlacher, Wilfried Hochholdinger und David Czesienski.
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2012
Eiszeit Kino
Zeughofstr. 20
10997 Berlin
(Eingestellt von Christoph)
