In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Fotografie vom Festsaal Kreuzberg am 14. Februar 2012 um 4.14 Uhr MEZ. (Die Leute sind alle drinnen und tanzen)
Die Party wird 2013 nun doch wieder farbig, auch wenn wir damit nicht im Trend liegen, wie heute im Tagesspiegel nachzulesen ist:
„Aus 276 Einreichungen hat Linda Söffker, die Leiterin der
Berlinale-Reihe Perspektive Deutsches Kino, in diesem Jahr sechs lange
Spielfilme, drei Dokumentationen und zwei mittellange Werke ausgewählt.
Die meisten davon zeigen einen Trend zur Vereinzelung. Der
Gegenwarts-Mensch im Blick der Jungfilmer: entfremdet bis erschüttert.
Beziehungen und Familie geben längst keinen verlässlichen Halt mehr, und
wo die Liebe einschlägt, bricht erst recht der Boden weg.“
(eingestellt von Franz und Peer, Bild von Jules de Balincourt)
