In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
CINEMA IN TRANSITION: THE FESTIVALS
Zu Gast: Olivier Père
Moderation: Christoph Hochhäusler, Nicolas Wackerbarth
Das Festivalsystem als Utopie, Ersatz- und Antikino. Olivier Père, Leiter des Filmfestivals Locarno und ein intimer Kenner der Szene, im Gespräch über den Status Quo der Festivalwelt am Beispiel Locarno und die Perspektiven für ein Kino, dessen – soziale, politische, ästhetische – Identität in Auflösung begriffen ist.
Der Abend ist Auftakt einer losen Reihe über die Zukunft dessen, was heute Kino heißt.
Am Montag, den 23. Mai 2011 um 20 h im Roten Salon der Volksbühne – in englischer Sprache.
Ziel ist ein offener Diskurs. Alle Filminteressierten sind dazu herzlich eingeladen.
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Olivier Père, 1971 in Marseille geboren, hat an der Sorbonne studiert und kam als Kritiker und Journalist („Les Inrockuptibles” u.a.) an die Cinémathèque française, wo er von 1996 bis 2009 das Programm mitverantwortet hat. 2004-2009 war er Leiter der Quinzaine des Realisateurs, die unter seiner Führung ihren legendären Status als junges Korrektiv des offiziellen Programms wiedererobern konnte. Seit September 2009 leitet er das Filmfestival Locarno, eines der wichtigsten Festivals Europas.
Vorgeschmack: Père im Interview auf bfi.org.
(Eingestellt von Christoph)
