In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
E I N L A D U N G
Werkstattgespräch mit Andrew Bujalski
Fr., 27. Januar 2012
20 Uhr
Kino Arsenal
Im Gegensatz zum Leben, welches sich stetig wandelt, in dem Kompromisse ausgehalten, vertagt oder verhandelt werden müssen, im Gegensatz zu diesem Chaos der unendlichen Varianten verfügen Spiele über ein klar umrissenes Regelwerk. Diese Einschränkung spitzt Situationen zu, fordert sekundenschnell Handlungen ein, die eindeutig zu Sieg oder Niederlage führen. Obwohl Spiele also mit der Unschärfe des Lebens nichts zu tun haben, ist deren Bauweise auf die Dramaturgie von Filmen übertragen worden. In Bujalskis filmischem Kosmos sucht man diese Mechanismen vergebens. Seine Charaktere haben sich in den Sicherungsnetzen ihres sozialen Umfelds verfangen. Sie sprechen mehr als dass sie entscheiden. Und sie finden erst im Reden heraus, was sie eigentlich sagen wollen. Das ist komisch mitanzusehen oder, genauer gesagt, zu erleben. Denn Bujalski beobachtet keinen Alltag, sondern folgt konsequent dessen verschlungenen Pfaden.
Freue mich sehr darauf mit dem US Indie-Filmemacher über seine ästhetischen Strategien und die Beweggründe seiner Arbeit zu sprechen. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Arsenal Institut für Film- und Videokunst, welches die wunderbar entspannten, wie präzisen Filme vorab zeigen wird.
24.1, 20h / 31.1, 19.30h
MUTUAL APPRECIATION (USA 2005, OF 110´)
26.1., 19.30h / 28.1, 20h
FUNNY HA HA (USA 2002, OF 89´)
26.1 , 21.30
BEESWAX (USA 2009, OMU 100´)
(Eingestellt von Nicolas)