In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Die Filmemacher Ramon (Buch + Regie) und Silvan (Produktion) Zürcher im Gespräch mit Toby Ashraf.
Am Freitag, den 14.03.2014 um 20 h im Roten Salon.
Anlässlich von Revolver Live! zeigt das FSK Kino den Film „Das merkwürdige Kätzchen“ noch einmal am Donnerstag,13.03.2013 um 18 h.
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| Leon Alan Beiersdorf in DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN (D 2013). |
„Merkwürdig kommt von des Merkens würdig“, sagt Ramon Zürcher. Damit bringt er seine eigene filmische Arbeit in einem Satz auf den Punkt, denn plötzlich sieht und hört man die Eigenwilligkeiten des Alltags so neu als wäre man ihnen vorher nie begegnet. Eine Wasserflasche auf dem Fahrrad, eine Fensterscheibe in der U-Bahn, ein Pfandautomat im Supermarkt, eine rote Katze auf dem Küchentisch und Menschen, die beim Erzählen gedankenverloren aneinander vorbei kommunizieren. Zürcher denkt, baut und choreografiert das Nebensächliche so gewitzt anders, dass Dinge, Personen und Tiere zu gleichberechtigten Katalysatoren seines poetischen Filmkosmos werden. Was erst beiläufig wirkt und dem Zufall zu folgen scheint, ist dabei vorher minutiös geplant und zuletzt sogar modellhaft am Computer entworfen worden. Ein Gespräch über den Lauf der Dinge und ein anderes filmisches Erzählen.
Ziel ist ein offener Diskurs.
Alle Filminteressierten sind dazu herzlich eingeladen.
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Eintritt: 5 Euro
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
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Ramon Zürcher
Geb. 1982 in Aarberg/Schweiz. Regisseur. Studium: 2002-2005: Freie Kunst an der Hochschule der Künste Bern (HKB) mit Schwerpunkt Video. Seit 2006 Studium der Filmregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Filme (Auswahl): diverse Experimentalfilme (2002-2005), „Heute mag ich dieses Lied” (Kurzfilm, 2007), „Reinhardtstraße” (mittellanger Film, 2009), „Passanten” (Kurzfilm, 2010), „Gestern hat sich meine Freundin ein Fahrrad gekauft” (Kurzfilm, 2011), „Das merkwürdige Kätzchen” (Spielfilm, 2013).
Silvan Zürcher
Geb. 1982 in Aarberg/Schweiz. Produzent. Studium: 2002 bis 2009: Philosophie, Filmwissenschaft und Germanistik an den Universitäten Bern und Zürich. Arbeit als Filmvorführer sowie studentischer Mitarbeiter am Philosophischen Institut der Universität Bern. Seit 2009 Studium der Filmproduktion an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Filme (Auswahl): „Zombie” (Kurzfilm, 2010; auch Buch und Regie), „Portrait” (Kurzfilm, 2011), „Das merkwürdige Kätzchen” (Spielfilm, 2013), „Teufel” (Kurzfilm, 2013), „Porzellan” (Kurzfilm, 2013).
Toby Ashraf
Geb. 1982. Freier Filmjournalist und Übersetzer. Studium: Kommunikationswissenschaften, Kunstgeschichte und Englisch in Münster und Berlin. Moderationen von Filmgesprächen und Publikationen bei Stil in Berlin, taz, Jungle World, SISSY, IndieWire, Missy Magazine und Senses of Cinema. Freier Mitarbeiter bei Revolver.
REVOLVER LIVE!
CHRONIK
(25.10.2003)
Christian Petzold: Einführung in eine innere Filmgeschichte
(14.12.2003)
Michael Haneke: Der unbestechliche Blick
(11.01. 2004)
Die Methode Seidl: Ulrich Seidl, Maria Hofstätter, Georg Friedrich, Vivian Bartsch
(28.01.2004)
Persona-Abend mit Judith Engel, Bibiana Begelau und Hinnerk Emmrich
(8.05.2004)
Romuald Karmakar: Filmarbeiter
(6.04.2005)
Angela Schanelec: Raumsprache (mit Reinhold Vorschneider)
(17.06.2005)
Neue Realistische Schule? Ade, Enders, Winckler, Voigt
(12.08.2005) – Los Angeles
Thom Andersen: Story, History and Space: Los Angeles plays itself
(17.10.2005)
Perspektive Filmkritik: Diedrich Diederichsen, Manfred Hermes, Enno Patalas
(29.10.2005)
Berlin Sub: Filme ohne Auftrag. Hangover Ltd., b_books av, Tödliche Doris
(15.06.2006)
Dokumentarische Positionen: Gerhard Friedl, Stefan Landorf, Volker Sattel
(31.09.2006)
Ulrich Köhler: Der diskrete Charme (mit Patrick Orth)
(7.10.2006) – Frankfurt
Valeska Grisebach: Helden des eigenen Lebens
(7.01.2007)
Terry Gilliam: Visionär und Alchemist
(7.05.2007)
Hans-Jürgen Syberberg: Höhle der Erinnerung
(10.08.2007)
Hou Hsiou-Hsien: Erfahrung vs. Erzählung
(1.10.2007)
Tankred Dorst + Ursula Ehler: Die Stimme des Erzählers
(13.11.2007)
Hans Hillmann: Das Filmplakat
(13.04.2008) – Frankfurt
Susanne Lothar + Ulrich Noethen: Gefühle spielen
(2.5.2008) – Schwerin
Götz Spielmann: Stadt und Land
(29.4.2008)
Lav Diaz: Vergehendes Leben
(9.04.2008) – Schwerin
Maren Ade: Kampf um Nähe
(18.11.2009)
Jean-Pierre + Luc Dardenne: Physis, Drama, Märchen
(2.10.2010) – Paris
Mia Hansen-Løve: Gefühl und Verstand
(24.03.2011)
Olivier Père: Cinema in Transition / The Festivals
(5.12.2011)
Marie Vermillard: Erleben und Erfinden
(09.01.2012)
Marie-Pierre Duhamel – ‚I am a stranger here myself‘
(27.01.2012)
Andrew Bujalski – Unschärfe des Lebens
(7.05.2012)
Angriff der Gegenwart – Vier Debüts
(15.09.2012)
Close-up Arsenal – Innenansichten einer modernen Kinemathek
(28.10.2012)
Nadav Lapid
(1.10.2013)
Ula Stöckl
(2.12.2013)
Günter Stahnke: Zwischen den Stühlen
(26.01.2014) – Solothurn
Peter Liechti
