In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Die nächste Ausgabe von Revolverkino, ursprünglich für Mai 2020 geplant und Corona-bedingt verschoben, steht unter der Überschrift „Was ist Landschaft?”.
Sehr frei Bezug nehmend auf die aktuelle Ausstellung von Otobong Nkangas THERE’S IS NO SUCH THING AS SOLID GROUND habe ich ein Filmprogramm zusammen gestellt, das ganz unterschiedliche Filme in Bezug auf Raum- und Machtfragen verknüpft. Es ist eine sehr subjektive Mischung, die aber wie ich hoffe im Zusammenhang Funken schlägt.
Da unter Corona-Bedingungen nur ein kleiner Teil der Plätze vergeben werden kann, muss reserviert werden, und zwar [voraussichtlich ab 27.08.2020] hier. Der Eintritt ist wie immer frei. Vielen Dank an Hannes Brühwiler – der sich dieses Mal auf die logistische Seite konzentriert hat – und Filippa Carlini.
„Was ist Landschaft? Vielleicht: Berührte Natur, oder auch: Para-Natur, aber in einem Zusammenhang, der über uns hinausgeht, jenseits unserer Kontrolle ist, räumlich und zeitlich. Das Wort „Landschaft” provoziert nicht nur die Frage, wie man sie definieren, sonder immer auch, wie man sie zeigen, festhalten oder filmen kann. Wie die Filme dieses Programms beweisen, gibt es darauf sehr verschiedene Antworten.”
Christoph Hochhäusler
10.09.2020, 19 h

TX-REVERSE (Virgil Widrich & Martin Reinhart, Österreich 2019) – 5 Min (Berlin Premiere)
Virgil Widrichs und Martin Reinharts Experimentalfilm TX-REVERSE (Berlin Premiere) vertauscht Raum und Zeit und entdeckt „unmögliche” Landschaften zwischen den Bildern.

PEAK (Hannes Lang, D 2011) – 1 h 26 Min
Hannes Langs Dokumentarfilm PEAK, erzählt von Landschaft als Produkt und „Freizeit” als ein Konzept, das Zeit und Welt verbraucht.

SZEGÉNYLEGÉNYEK (Miklós Jancsó, Ungarn ) – 90 Min
Miklós Jancsós SZEGÉNYLEGÉNYEK erzählt in komplexen Plansequenzen vom absurden Theater der Macht. Anhand eines KZ-Systems der (ungarischen) k.u.k. Militärs in den 1860er Jahren – errichtet als Antwort auf die Reste rebellischen Widerstands – verschränkt Jancsó Macht- und Raumfragen auf nie gesehene Weise.
11.05.2020, 19 h

RIAFN (Hannes Lang, D 2019) – 30 Min (Berlin Premiere)
Hannes Langs RIAFN (Berlin Premiere) ist der Versuch, mit realen Tönen im Resonanzraum Alpen ein Musical zu machen.

QUARRY (Amie Siegel, USA 2015) – 34 Min
Amie Siegels QUARRY interessiert sich für die „Verschiebung” zwischen einem Steinbruch und den New Yorker Luxusapartments, die in Stein gekleidet werden. Der leere Berg „enthält” einen Reichtum, der sich im Stein materialisieren will. Zu welchem Preis?

ARCHIPELAGO (Joanna Hogg, GB 2010) – 1 h 54 Min
In Joanna Hoggs ARCHIPELAGO parallelisiert die stürmische Landschaft und der Versuch, sie zu malen den Zustand der Figuren: jeder Mensch eine Insel.