In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
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| BERLIN REMAKE. Installationsansicht. |
Die Amerikanerin Amie Siegel, Regisseurin von Filmen wie EMPATHY oder DDR/DDR, könnte man anhand vieler ihrer Arbeiten als „Kunstforscherin” bezeichnen. Ihre Filme und Videos befragen Räume und Architekturen, untersuchen Möbel oder Bilder, und immer wieder stehen auch Filme im Mittelpunkt ihrer Neugier. So etwa in ihrer großartigen Installation BERLIN REMAKE, die einzelne Einstellungen aus dem Korpus der Filmgeschichte der DDR herauslöst und sie „leer” in der Gegenwart wiederholt. Das Ergebnis ist eine beziehungsreiche Parallelbewegung, die die Einstellung als „Container” von story und history, von Autorenwille und Zeitgeist bestätigt und in Frage stellt.
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| Malle vs. Siegel |
Ihre neue Arbeit BLACK MOON (die vergangenen Oktober in der Berliner Krome Gallery zu sehen war), bestehend aus Fotos, einer Videoinstallation und einem Kurzfilm, lässt sich, einerseits, als sehr loses „Remake” des gleichnamigen Filmes von Louis Malle verstehen, „übertreibt” die Aneignung aber andererseits bis ins Reenactment des Regie-Interviews. Siegels Kurzfilm, das Centerpiece der Arbeit, deutet eine (im Zuge der Finanzkrise) gescheiterte Immobilienentwicklung in Florida als Kriegsschauplatz der Zukunft, in dem bewaffnete Frauen Standardsituationen des Kriegsfilms nachspielen / „besetzen”.
BLACK MOON wird im Mai in der Semaine de la Critique gezeigt.
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| Ein Bild aus Siegels Kurzfilm BLACK MOON. |
(Eingestellt von Christoph)


