In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Nun doch: ein deutscher Film im offiziellen Programm von Cannes. Katrin Gebbes Debüt TORE TANZT wird in der Reihe „Un Certain Regard” zu sehen sein und konkurriert damit auch um die camera d’or für den besten Erstlingsfilm.
Auf Gebbes Seite gibt es ein paar Bilder und eine Synopsis:
„Das düstere Drama um einen jungen Christen, der auf seiner Suche nach Zugehörigkeit mit den grausamten menschlichen Abgründen konfrontiert wird. Inspiriert von wahren Begebenheiten.
Der Jesus Freak Tore will bei den religiösen Punks in Hamburg ein Leben nach christlichem Vorbild führen. Als er einer Familie bei einer Autopanne hilft, glaubt er, Zeuge eines Wunders zu sein und knüpft Freundschaft mit dem Familienvater Benno. Kurze Zeit später zieht er zu der Familie in den Schrebergarten und ahnt nicht, welche grausamen Erlebnisse ihm noch bevorstehen werden. Fest in seinem Glauben verankert, bleibt Tore trotz der drohenden Gewalt und widersetzt sich auf seine Art. Es beginnt ein Kampf zwischen Triebhaftigkeit und aufopfernder Nächstenliebe.“
Über ihre Absolventin schreibt die Hamburg Media School:
„Katrin Gebbe (*1983 in Deutschland) dreht ihre ersten Kurz- und Experimentalfilme an der AKI, Academy of Visual Arts and Design (NL), wo sie freie Kunst und Visuelle Kommunikation studiert. 2005 folgt ein Austauschsemester an der School of the Museum of Fine Arts in Boston, USA. 2006 beendet sie ihr Studium mit dem Bachelor of Design und absolviert im Anschluss ein Praktikum in einer renommierten Berliner Produktionsfirma für Musikvideos und Werbefilm. Im gleichen Jahr beginnt sie das Regie-Aufbaustudium an der Hamburg Media School, das sie im Oktober 2008 mit Auszeichnung abschließt. Während dieser Zeit entstehen preisgekrönte Kurzfilme, u.a. ihr Abschlussfilm “Sores & Sirin” (…) Katrin Gebbe arbeitet als freischaffende Regisseurin in den Bereichen Spiel- und Werbefilm.“
Ich bin gespannt.
Christoph
