In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Hinweis auf Aktivitäten der Mitglieder:
Christoph Hochhäusler
Am 31. März 2011 startet Christoph Hochhäuslers Drama UNTER DIR DIE STADT in den deutschen Kinos.
UNTER DIR DIE STADT (THE CITY BELOW) hatte Weltpremiere in Cannes 2010, in der Selection Officiel – Un Certain Regard. Er wurde in den Medien weltweit kontrovers besprochen und viel gepriesen. Die Regisseurin Claire Denis schrieb in den Cahiers Du Cinéma: „Als sei dieser Film dazu da, uns zu irritieren und unablässig an etwas zu erinnern, das heute passiert … Das ist ein Film, der weh tut; ein außerordentlicher, beeindruckender Film, wunderbar inszeniert. Man hat das Gefühl, eine Symphonie der Großstadt zu erleben, in der die Figuren sich verlieren.”
Le Monde: „Es wird schnell klar, dass Hochhäusler die biblische Erzählung vom König David aufgreift, der Batseba für sich erorbert, indem er ihren Mann in den Krieg schickt. Aber die Stärke des Films liegt nicht nur in der Beschreibung einer leidenschaftlichen Liebesaffäre. Christoph Hochhäusler setzt ein komplexes Szenario der Bezüge zwischen Macht und Wirklichkeit in Szene. Es sind vor allem die Inszenierung und die kühle Präzision in der Erzählung von Situationen und Räumen, die einen in diesem Film an die späten Werke von Hitchcock denken lässt.”
Und Christoph Petersen auf Filmstarts.de: „Die Krise hat in Christoph Hochhäuslers Liebesdrama lediglich einen unterschwelligen Einfluss, der dank seiner Subtilität aber eine umso stärkere atmosphärische Wirkung entfaltet. ‚Unter dir die Stadt‘ vermengt Bankenkrise und Liebesdrama zu einem grandiosen atmosphärischen Meisterwerk.“
Im Berliner Kino FSK am Oranienplatz wird es am Freitag (1.04.2011) ein Filmgespräch mit Christoph Hochhäusler und seinem Ko-Autor, Ulrich Peltzer, geben.
Im Kinofinder auf der Website finden sich die Spielorte und Zeiten.
Ich freue mich auf Christophs Film und hoffe unsere Leser sehen ihn sich an!
Benjamin Heisenberg
(Eingestellt von Benjamin)



