In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
In Cannes schlagen die Erwartungen regelmässig in Enttäuschung um, jedenfalls, wenn man den Kritiken glauben will. Unterdessen formiert sich bereits der nächste Erwartungshorizont: Venedig. Hier ein paar nicht ganz unwahrscheinliche Möglichkeiten:
Akerman, Chantal: LA FOLIE ALMAYER
Akin, Fatih: GARBAGE IN THE GARDEN OF EDEN
Alfredson, Tomas: TINKER, TAILOR, SOLDIER, SPY
Amelio, Gianni: LE PREMIER HOMME
Arnold, Andrea: WUTHERING HEIGHTS
Clooney, George: IDES OF MARCH
Comencini, Cristina: QUANDO LA NOTTE
Cronenberg, David: A DANGEROUS METHOD
Crowe, Cameron: PJ20
Davies, Terence: THE DEEP BLUE SEA
de la Iglesia, Alex: LA CHISPA DE LA VIDA
Demme, Jonathan: ZEITOUN
Folman, Ari: THE CONGRESS
Garrel, Philippe: UN ÉTÉ BRÛLANT
German Jr., Aleksei: HARD TO BE A GOD
Haneke, Michael: AMOUR
Hsiao-hsien, Hou: THE ASSASSIN
Kar Wai, Wong: THE GRANDMASTERS
Kore-eda, Hirokazu: I WISH
Lanthimos, Yorgos: ALPS
McQueen, Steve: SHAME
Mendoza, Brillante: PREY
Olmi, Ermanno: IL VILLAGGIO DI CARTONE
Payne, Alexander: THE DESCENDANTS
Polanski, Roman: CARNAGE
Ratanaruang, Pen-Ek: HEADSHOT
Reygadas, Carlos: POST TENEBRAS LUX
Salles, Walter: ON THE ROAD
Satrapi, Marjane & Paronnaud, Vincent: POULET AUX PRUNES
Seidl, Ulrich: PARADIES
Soderbergh, Steven: HAYWIRE
Sokurov, Aleksandr: FAUST
Solondz, Todd: DARK HORSE
Spielberg, Steven: WAR HORSE
To, Johnnie: LIFE WITHOUT PRINCIPLE
Winterbottom, Michael: TRISHNA
Ye, Lou: LOVE AND BRUISES
Zhang-ke, Jia: IN THE QING DYNASTY
(Eingestellt von Christoph)
Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
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Sokurov sicher…
Was ist mit Dominik Moll mit le Moine? :-s
Haneke wird sicher nicht dort laufen, wie ich hörte, weil er noch das Jahr über dreht und nachbearbeitet (einige CGI-Effekte), so daß er sicher erst für Cannes 2012 fertig ist.