In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Seit dem Jahr 2001 soll die Flotte der im Einsatz befindlichen US-Dronen, also ferngesteuerten Flugkörpern, von 54 auf 4000 gewachsen sein. Der Machinima-Kurzfilm DRONE (Buch und Regie: Harrison Heller) befasst sich mit den Gewissensbissen eines Dronen-Piloten, der jeden Morgen „in den Krieg” ins Büro fährt: „Haskell is a top-scoring gamer recruited into the U.S. Air Force as a predator drone pilot. But after a mission goes terribly wrong, the system he trusted begins to unravel before his eyes.”
Basierend auf dem Engine des Ego-Shooters Half Life 2 ist DRONE vollgepackt mit Referenzen der Post-9/11 Videospiel- und Filmgeschichte. So gibt es zum Beispiel wirklich ein von der US Army für Werbe-Zwecke entwickeltes Video-Spiel namens Americas Army, welches allerdings momentan noch ohne Dronen auskommt.
Der Film selbst ist ein seltsames Machwerk – pathetisch und kalt zugleich. Erzählerisch herrscht der erhobene Zeigefinger einer anatomisch korrekten, aber dennoch entstellten Computerhand. Eine Geste, in der synthetischen Welt des Films so dermaßen deplatziert, dass man die Nahtstellen des emotionalen Kitts zwischen Texturen und Sequenzen förmlich sehen kann. Der moralisierende Kitsch gegen Ende nimmt sich sogar bis zur Selbstaufhebung ernst. Es wird vom Guten und Echten gepredigt, als würde Harrison Heller von seiner eigenen Verstrickung in die Sphären des Virtuellen nichts wissen.
Das Medium ist hier die eigentliche Botschaft, und der Film will sich dies nicht eingestehen: Explizit konservativ, implizit subversiv. This film has issues.
(Siehe auch *)
(Eingestellt von Georg Boch)