In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Katrin Eissing über LA BOUCHE
R: Camilo Restrepo, C: Mohamed „Diable Rouge“ Bangoura, Issiaga „Ella“ Bangoura, Raymond Camara, K: Guillaume Mazloum, Cécile Plais, FR 2017, 19 Min., Susu OmeU – DP
THE RUB
R+K: Péter Lichter, Bori Máté, C: Szabolcs Hajdu, HU 2018, 60 Min., ungarische OmeU – WP
Und am vorletzten Tag gibt es gar nichts mehr zu sagen.
Nur: Wieso waren so wenig Leute im Kino?
Und wieso waren beide Filme nicht auf der Berlinale?
LA BOUCHE ist einfach bombastisch.
THE RUB auch, aber anzumerken vielleicht zu der Kollage und Materialtechnik: Experimentalfilme, die direkt mit dem Filmmaterial arbeiten, werden gemacht und zwar auch bewusst, seit es Filme gibt.
Die Kommentatoren und er selbst taten so, als würden sie sich damit gar nicht auskennen, was ich mir nicht vorstellen kann. Wenn es stimmt, wäre das schon sehr komisch (immerhin malten gut 10 Leute an dem Filmmaterial mit, sicher machen die auch eigene Filme). Jedenfalls: Es hat nichts mit „Zerstörung“ zu tun, eher dem Gegenteil und funktioniert im Schnitt und von der Geschichte her im Prinzip genau so wie ein „normaler“ Film. Es gibt eine grosse und lebendige Analog-Filmszene die schon sehr lang Experimentalfilme in Labors etc. macht und es ist ein bisschen bescheuert so zu tun, als wäre das total neu. Neu ist es vielleicht nur auf der Woche der Kritik und in so einem grossen Kino. Das liegt daran, dass Maschinen jetzt gut auflösend digital abtasten können.
Wie auch immer. Ich musste nach den beiden wirklich tollen Filmen sofort gehen ,um den Raum, den sie in mir machten nicht gleich wieder zu zerquatschen.
Wiederholung am Sonntag 25.02.18 um 12.00.
Mir wird jetzt klar … wie das Programm gesetzt ist … schön.