In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Revolver gratuliert: Claire Denis erhält den Großen Kunstpreis der Stadt Berlin. Der Preis, mit 15.000 Euro dotiert, wird nur alle 6 Jahre in der Sektion „Film- und Medienkunst” vergeben. Letzter Preisträger war Aki Kaurismäki. Die Verleihung ist öffentlich und findet am 18. März um 20 h in der Akademie der Künste (Pariser Platz) statt. Die Laudatio hält Jutta Brückner. Zuvor wird Denis‘ aktueller Spielfilm WHITE MATERIAL in der französischen Botschaft zu sehen sein (um 17 h, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich, Details hier).
Ein ausführliches Interview mit Claire Denis findet sich in der aktuellen Ausgabe von Revolver (Heft 23).
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Update:
Im Rahmen der selben Veranstaltung wird auch die Berliner Filmemacherin Maria Speth (IN DEN TAG HINEIN, 2001; MADONNEN, 2007; zuletzt: 9 LEBEN, 2010) mit einem Preis bedacht, nämlich dem „Kunstpreis Film- und Medienkunst”). Wir freuen uns.
(gepostet von Christoph)
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hab jetzt bei meinem lokalen buecherladen bestellt. guter blog!
Moritz
Hallo Moritz,
am Einfachsten, indem Du das Heft bestellst. Entweder: direkt bei uns (http://www.revolver-film.de/Mail.htm) , oder bei jedem Buchhandel über die ISBN-Nr., oder auch via Amazon o.ä.
ISBN 978-3-88661-333-5
ISSN 1617-6642 (Heft 23)
Welcher Buchladen Revolver vorrätig hat in HH weiss ich leider nicht.
C
Wo bekomm ich eigentlich die aktuelle Revolver Ausgabe in Hamburg? Hatte mal im HBF Zeitschriften-Laden gefragt ohne Erfolg….
gruss Moritz