In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Dominik Grafs Film über Michael Althen ist eine Huldigung. Und man gibt sich ihr gerne hin.
Auf den im Film verwendeten Fotos wirken die „jungen wilden“ Münchner Kritiker eher wie Computernerds. Bis auf einen! Ja, man ist versucht zu sagen: Michael Althen ist der einzige deutsche Kritiker mit einem (sexy) Körper. Auf die Sinnlichkeit seiner Texte konzentriert sich dann auch der Großteil des Films. Auch wird gezeigt, dass Kritiker in den großen Tageszeitungen mal gutes Geld verdienten, und dass die Zeit es mit sich brachte, dass die feurige Leidenschaft für die Arbeit etwas abkühlte.
Was fehlt – und das ist etwas schade – ist der Richtungsstreit innerhalb der deutschen Filmkritik, kurz bevor sie ins Netz gewandert ist. Die Frage, warum Althen so geschrieben hat, wie er schrieb, versuchte er selbst in Revolver 14 für sich zu beantworten. In seiner Altbauwohnung in der Mommsenstraße fährt die Kamera an den riesigen, mit Büchern und DVDs vollgestopften Regalen entlang. Hat mich natürlich gefreut, dass da auch ein paar Revolver-Hefte rumstanden.
(nic)
| Michael Althen |