In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Manchmal öffnet sich auf der schmalen Stiege des Alltags eine Tür und man tritt in einen Kathedralraum der Seele, am Hall der Schritte ahnt man ungeheure Möglichkeiten, aber noch bevor man ins Hauptschiff vorgedrungen ist, stößt man sich am Treppenabsatz und schmerzhaft faltet sich die ganze Sehnsuchtsarchitektur in jener Westentasche zusammen, in der unser Herz Platz haben muss.
So in etwa war mein Eindruck gestern beim Hören der so sanft klingenden wie stechend genauen Ophüls’schen Hörspielfassung von Schnitzlers BERTA GARLAN (D 1956). Mit Freunden hatte ich eine Art Hörkino veranstaltet, inspiriert auch von Dominik Grafs leidenschaftlicher Empfehlung. Die Erfahrung, sich für 2 1/2 Stunden den Stimmen von Gert Westphal (Erzähler), Käthe Gold (Berta Garlan), Bernhard Wicki (Herr Rupius) und Kurt Meisel (Erwin Lindbach) zu überlassen, hat sich tief eingegraben. Ich kann sie unbedingt empfehlen.
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| Madonna mit österreichischem Timbre: Käthe Gold. |
(Eingestellt von Christoph)
