In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Gestern lief in der Brotfabrik dieser erstaunliche DEFA Film um Freiheit, Souveränität und Einsamkeit von Lothar Warneke und Helga Schubert, teilweise fast dokumentarisch gedreht mit Laien und Schauspielern, erfrischend in seinem Witz, der immer da aufblitzt, wo man nicht damit rechnet und da ausbleibt, wo er gesetzt wird. Die Beunruhigung haben 1982 über 4 Millionen Zuschauer in der DDR gesehen, also eigentlich aus jeder Familie eine. Und es wundert nicht. Denn die Offenheit, mit der Christine Schorn die Geschichte der Protagonistin erlebbar macht, lässt einen den ganze Film über nicht los. Da wird frei erzählt über ihre Affären, über ihre Fantasien in ihren Beruf als Eheberaterin, ihre Angst vor dem Brustkrebs, aber auch über Ost und West.
Danke Regina Kräh für diese feine, gar nicht so kleine Retro im Rahmen von Achtung Berlin! Und es geht ja erst los… Am liebsten würde ich alle Filme sehen, aber heute um 18 Uhr sind leider Überall ist es besser, wo wir nicht sind von Michael Klier und Westler von Wieland Speck parallel programmiert. Aber morgen geht es wieder solo weiter. Und Dienstag Solo Sunny.
Franz