In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
(in eigener Sache)
Am Samstag ist das internationale Symposium für den Dokumentarfilm für Kinder und Jugendliche in Köln zu Ende gegangen. Neben Vorträgen gab es auch Filme zu sehen, wie etwa den sehenswerten „Cama de Gato“ aus Lissabon, von Filipa Jardim Reis und Joao Miller Guerra. Finanziert wurde dieser Dokumentarfilm über eine Teenage-Mutter ungewöhnlicherweise von der Kommune Setúbal.
Neben alternativen Finanzierungsideen ging es im Symposium viel um die Vermittlung von Filmkultur an Schulen, aber auch um Partizipation, also die Beteiligung von Kindern, vor allem aber Jugendlichen, an der Entstehung von Dokumentarfilmen für die eigene Pear-group. Die Anregung kam vor allem von der dänischen Initiative doxwise. Von den bei Revolver interviewten Filmemachern kamen Calle Overweg und Bernd Sahling zu Wort.
Mehr dazu in meinem Abschlussbericht zum Symposium online.
(eingestellt von Marcus)
