In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Offizielle Beschreibung:
„DRIVE is the story of a Hollywood stunt driver by day, a loner by nature who moonlights as a top-notch getaway driver-for-hire in the criminal underworld. He finds himself a target for some of LA’s most dangerous men after agreeing to aid the husband of his beautiful neighbor, Irene. When the job goes dangerously awry, the only way he can keep Irene and her son alive is to do what he does best – drive.”
Nicolas Winding Refn, der durch seine Filme PUSHER (Trilogie), VALHALLA RISING und BRONSON international als kreativer und wandlungsfähiger Erzähler bekannt wurde, könnte mit seinem Actionthriller DRIVE einen schlanken realistischen Stil eines kommerziellen Kinos nach Cannes mitbringen. In der Independentszene in NY und im Studiozirkus hat der Film bereits einen sehr guten Leumund, nicht nur, weil er einfach gut „funktioniert”, sondern weil er anscheinend durch inhaltliche Qualitäten, gute Beobachtung und eine genaue, konzentrierte Erzählform besticht. Dem CGI-überfrachteten Spektakelkino Hollywoods würde auch im Actiongenre eine Schlankheitskur und eine Rückbesinnung auf tatsächliche Inhalte, gut tun. Refn’s DRIVE könnte ein spannender Beitrag in dieser Richtung sein. Bezeichnender Weise ist der Film nicht in den Studios, sondern als Independent finanziert und produziert worden.
(Eingestellt von Benjamin)