In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
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Ein Bild aus IDEA, Regie: Jean-Christophe Averty (ZDF, 1968).
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Diesen Donnerstag eröffnet in der Deutschen Kinemathek eine neue Ausstellung, die sich mit dem „experimentellen Fernsehen” der 1960er und 70er Jahre in Deutschland beschäftigt. Die Pressemitteilung ist knapp, aber viel versprechend:
„Komponisten, Theaterregisseure und andere Künstler haben in den 1960er und 70er Jahren das Fernsehen als Ort des Experimentierens entdeckt. Unter Auslotung aller technischen und künstlerischen Möglichkeiten des Mediums entwickelten sie neue Gestaltungsformen und provozierten damit die Sehgewohnheiten der Zuschauer. Selbst große Theatermacher wie Peter Zadek (ROTMORD, DER POTT) nutzten das längst zum Massenmedium gewordene Fernsehen, um neue Erzählformen zu finden. Dank Bluebox-Verfahren, Stanztechniken und Negativbildern entstand eine ungewöhnliche, expressive Bildsprache, die wesentlich von der Pop Art beeinflusst war. Damit verbunden sind besonders die Regisseure Bob Rooyens (DUSTY SPRINGFIELD SHOW) und Jean-Christophe Averty (IDEA). Der Komponist Mauricio Kagel entwickelte im Medium Fernsehen visuelle Kompositionen und fantasievolle Collagetechniken (ANTITHESE, MATCH). Auf ein anderes Experiment ließ sich Gerry Schum ein: Mit den „Fernsehausstellungen“ LAND ART und IDENTIFICATIONS schuf er eine neue Präsentationsplattform neben dem Museum, wo er Kunstwerke ohne Kommentar auf dem Fernsehbildschirm ausstellte. Samuel Beckett setzte sich mit den ästhetischen und dramaturgischen Möglichkeiten des Fernsehens auseinander: Er entwickelte eine „poetische Bildsprache“, mit der er sich immer weiter von dem wortreichen Medium entfernte.”
Vom 19. Mai bis 24. Juli 2011
Dienstag bis Sonntag: 10–18 Uhr
Donnerstag: 10–20 Uhr
Montags geschlossen
Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin
www.deutsche-kinemathek.de
(Eingestellt von Christoph)
