In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Kurzer Hinweis:
Am Sonntag, den 11. Dezember um 17 h steht der periodische Fünf-Uhr-Tee der Berliner Akademie der Künste (Pariser Platz) unter der Überschrift „Abschied von der klassischen Filmdramaturgie?”. Die Veranstaltung nimmt die Thesen des Film- und Buchautors Richard Blank „zum Anlass, um mit ihm, dem Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, dem Filmemacher [und Revolver-Mitherausgeber] Benjamin Heisenberg und dem Dramaturgen Oliver Schütte – moderiert von dem Filmpublizisten Ralph Eue – darüber zu sprechen, wie die filmischen Bewegtbilder unsere Wirklichkeit erzählen”, sagt das Programm.
Mit Gift diskret verfeinerter Fünf-Uhr-Tee: Hitchcocks NOTORIOUS (USA 1946), Drehbuch: Ben Hecht.
(Eingestellt von Christoph)
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Ich wollte mich noch auf diesem Wege bei Benjamin Heisenberg dafür bedanken, dass er, neben dem geschätzten Wolfgang Kohlhaase, diese Veranstaltung auf ein 'annehmbares' Niveau gehoben hat, und ich doch noch mit ein paar interessanten Anregungen und Gedanken in Sachen zeitgenössischer Dramaturgie nach Hause gegangen bin.
Schöne Weihnachten Frohlocket !
Tina
Habe hier vor kurzem ein Interview mit Richard Blank zu seinem Buch geführt: http://drehbuchcourier.blogspot.com/2011/10/interview-richard-blank.html