In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Anlässlich des 50. Jubiläums der Semaine de la Critique in Cannes: fünfzig Interviews mit Filmemachern und Schauspielern „sharing their memories of their first experience in Cannes”. Im Bild der von mir sehr geschätzte Otar Iosseliani, der erzählt, wie ein KGB-Mann an seiner statt an die Croisette geschickt wurde. Andere Stimmen: Anna Karina (über VIVRE ENSEMBLE), Ken Loach (über KES), Jerzy Skolimowski (über WALKOVER), Benoit Jacquot (über L’ASSASSIN MUSICIEN), John Sayles (über LIANNA) und viele andere. Keine großen Offenbarungen, aber es ist ein Erlebnis, die ganz unterschiedlichen Arten des Erzählens und Erinnerns zu sehen.
(Eingestellt von Christoph)
