In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Veranstaltungshinweis:
Die VIERTE WELT (am Kottbusser Tor in Berlin Kreuzberg) widmet sich acht Tage lang – von Sonntag, den 2.12. bis Sonntag, den 9.12.2012 – dem Regisseur und Autor Thomas Harlan.
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| Thomas Harlan: WUNDKANAL. HINRICHTUNG FÜR VIER STIMMEN (1984) |
Die Veranstalter schreiben:
„Das Projekt HARLANS KINDER nimmt die Person Thomas Harlan und sein künstlerisches Werk zum Anlass, die Verbindung von Schuld und Verantwortung außerhalb eines moralisch-pädagogischen Konzeptes zu untersuchen und auf unsere heutige Gegenwart zu übertragen. Thomas Harlan hat sich sein Leben lang als Erbe seines Vaters verstanden; die damit verbundene Frage nach Schuldtilgung bzw. nach einem Leben mit einer unverzeihlichen, verleugneten Schuld stellt HARLANS KINDER ins Zentrum der Auseinandersetzung. Ausgangspunkt (…) ist Thomas Harlans letzter Text VEIT.”
Das Programm im Überblick:
Performance / Lecture / Lesung / Film / Gespräch / Gäste
HARLANS KINDER
acht tage – achtzig wahrheiten
acht tage – achtzig wahrheiten
So. 02.12 Wenn die Ausnahme zur Regel wird 17:00 – 20:00
Mo. 03.12 Ökonomischer Putsch – Ein Spiel 19:00 – 22:00
Di. 04.12 Viertes Reich – Mit Gästen 19:00 – 22:00
Mi. 05.12 Vom Wundkanal zum Opfergang 19:00 – 22:00
Do. 06.12 Vatermord und Söhnesterben 19:00 – 22:00
Fr. 07.12 Rosa aus Kulmhof 19:00 – 22:00
Sa. 08.12 Chor der Köche 19:00 – 22:00
So.09.12 So etwas Ähnliches wie die Wahrheit 17:00 – 20:00
Von und mit Dirk Cieslak, Dennis Daniel, Florian Guist, Simone Haverland, Annett Hardegen, Schokofeh Kamiz, Katharina Meves, Sabina Moncys, Wolfram Sander, Alexander Schröder, Mariel Jana Supka, Judith van der Werff.
Mehr dazu hier.
Ausserdem ist ein Flugblatt zu Thomas Harlan erschienen, mit einem Text von Matthias Dell (Freitag).
(Eingestellt von Christoph)
