In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Die Filmbühne in der Berliner Volksbühne hat sich unter der Regie von Alexandra Engel zu einer Art Schaukasten des alternativen Films entwickelt.
Am 31. März um 20 h wird im großen Haus (mit den bekannten Kompromissen, was Ton und Bild betrifft) Thomas Heises neuer Dokumentarfilm SONNENSYSTEM zu sehen sein, ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Projekt, das auch innerhalb Heises Werk eine Sonderstellung einnimmt, vielleicht einen Neuanfang markiert.
SONNENSYSTEM, schreibt Heise auf seiner Seite, „ist ein Film über das Verschwinden. Über einige Menschen der indigenen Gemeinde der Kolla von Tinkunaku, einem Gebiet im Norden der Provinz Salta, Bezirk Orán von Argentinien. Ausschließlich über Bilder, ohne jedes Interview oder Kommentierung nähert sich dieser Film den Menschen dieser kleinen Gemeinde, folgt der Wanderung von Viviano und Ramona vom Tal in das dreieinhalbtausend Meter hoch gelegene Dorf Santa Cruz, wo sie den Sommer verbringen bis der irgendwann einsetzende Herbstregen sie wieder hinabsteigen lässt nach Rio Blanquito. Mit den religiösen Kollas lebend, zwischen alten Riten und hereinbrechender Moderne, in der grandiosen Landschaft der Yunga und Quechua erzählt der Film vom Alltag des Verschwindens eines indigenen Volkes. Dies irae.”
(Heises Film VATERLAND ist in der Revolver DVD Edition erschienen.)
Nächster Termin der Filmbühne: MONDO LUX, Elfi Mikeschs Dokumentarfilm über Werner Schroeter. Am 5.04.2011.
(Eingestellt von Christoph)
Dieser Beitrag hat einen Kommentar
Kommentare sind geschlossen.

Matthias Dell über Heise und die beklagenswerte Tatsache, dass die Berlinale SONNENSYSTEM nicht zeigen wollte
http://www.freitag.de/kultur/1113-es-kommt-nichts-weg