In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
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| Am Set von WANDELSTERNE. Im Pott: André Wilms. An den Kameras: Reinhold Vorschneider. Unsichtbare Regie: Benjamin Heisenberg. |
Filme entstehen, so scheint es, in Wellenbewegungen. Eine ganze Reihe neuer deutscher Filme, auf die wir uns freuen, sind in Arbeit. Der zweite Spielfilm von Revolver-Mitherausgeber Nicolas Wackerbarth, HALBSCHATTEN, ist beinahe fertiggestellt (zuletzt hatte Nicolas UNTEN MITTE KINN gemacht). Revolver-Mitherausgeber Franz Müller (DIE LIEBE DER KINDER) hat im Sommer einen No-Budget-Film in Polen gedreht, jetzt steht die Postproduktion an. Maria Speth (MADONNEN) ist im Schnitt mit ihrem neuen Projekt ANONYM – der vorangegangene Dokumentarfilm 9 LEBEN war aus der begleitenden Recherche für dieses Projekt entstanden. Ebenfalls in der Postproduktion befindet sich Pia Marais (IM ALTER VON ELLEN), ihr Film heißt LAYLA FOURIE. Dominik Graf dreht (wie berichtet) DIE GELIEBTEN SCHWESTERN in Thüringen, Thomas Arslan (IM SCHATTEN) arbeitet in Kanada an seinem Goldsucher-Western GOLD, Revolver-Mitherausgeber Benjamin Heisenberg (DER RÄUBER) ist dabei, seine erste Komödie umzusetzen: WANDELSTERNE (siehe Foto). Jessica Hausner (LOURDES) ist in Vorproduktion mit ihrer Kleist-Liebestod-Geschichte AMOUR FOU. In den Startlöchern steht Isabelle Stever (GLÜCKLICHE FÜGUNG) mit HOTEL LOUNGE und auch ich hoffe bald meinen nächsten Film zu machen, Arbeitstitel: LICHTJAHRE. Christian Petzold (BARBARA) dreht voraussichtlich im nächsten Jahr PHÖNIX, Angela Schanelec (ORLY) macht DER TRAUMHAFTE WEG. Neue Projekte bereiten dem Vernehmen nach auch vor Valeska Grisebach (WESTERN), Romuald Karmakar, Ulrich Köhler, Henner Winckler, Maren Ade. 2013/14 könnte ein toller Jahrgang werden…
Update: David Hudson hat sich auf Fandor die Mühe gemacht, die im Netz verfügbaren Synopsen zu den TIteln oben zu sammeln.
(Eingestellt von Christoph)
