In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Veranstaltungshinweis:
Am kommenden Dienstag läuft in der Volksbühne NEUKÖLLN-AKTIV von Sabine Herpich und Gregor Stadlober. Im Ankündigungs-Text heisst es:
„Neukölln-Aktiv“ ist eine einjährige Maßnahme für junge Männer im Alter zwischen 17 und 25, die ohne Schulabschluss und ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz außerhalb der Arbeitsgesellschaft stehen. Ausgestattet mit Mitteln des Jobcenters und des Jugendamtes des Berliner Bezirks Neukölln, leistet ein kleines Team rund um eine Sozialarbeiterin und zwei LehrerInnen 40 Stunden pro Woche „Aktivierungshilfe“. Die Jugendlichen sollen Schlüsselkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Selbstverantwortung und Selbstreflexion erlernen und für den Einstieg in die Berufswelt fit gemacht werden. Sie können hier den Hauptschulabschluss nachholen und werden als Praktikanten in Lehrbetriebe vermittelt.
Mit der Methode des Direct Cinema haben wir die Institution drei Monate lang gefilmt. Wir schildern die Ereignisse mehr, als dass wir sie erzählen. Der Film ist auch deshalb episch, weil wir nicht durch Dramatisierung einfache Lösungsmöglichkeiten für langwierige Probleme andeuten wollen. Die ständig aufeinander prallenden Interessens- und Auffassungsunterschiede in einem Mikrokosmos voller innerer und äußerer Widerstände machen allerdings fast jede Szene zum kleinen Drama, in dem das Erwachsenwerden, die Angemessenheit von Erziehungsmethoden und der Umgang der Gesellschaft mit ihrer Außenseite verhandelt werden.
Berlin-Premiere
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Dientag, den 15.1.2013, um 20:30 Uhr in der Volksbühne, Großes Haus
anschließend ab 22 Uhr Party im Roten Salon
Eintrittspreis: 8,- Euro bzw. 6,- Euro ermäßigt
(eingestellt von Hannes)
