In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
In der neuen Ausgabe der sehr österreichischen Kulturzeitschrift DATUM schreibt Peter Kern gegen die „Subventionslecker”:
„Der Künstler verwendet 98 Prozent seiner Zeit darauf, Anpassung vorzutäuschen, Drehbücher so einzurichten, dass sie den Entscheidungsträgern gefallen, zu lügen dort, wo sie die Wahrhaftigkeit nicht zulassen würden. Darum ersticken wir in dem Sog des Einheitsfilms. Der österreichische Film ist so unterschiedlich in Form und Inhalt und doch in seiner Begabung und Erzählkultur als bestellte neutrale Langeweile erkennbar. Der österreichische Film ist auch das, was der ORF erlaubt.”
Die „Revolutionsfarce zum heimischen Filmförderungsbetrieb”, die man auch auf Kerns Seite lesen kann, erinnert ein wenig an Klaus Lemkes markige Worte vom September 2010 (Meine Antwort auf Lemkes Manifest hier, Wolfgang Bülds Reaktion dort) – und funktioniert nach dem Schrot-Prinzip: viele Kugeln verfehlen, wenige treffen den breiten Subventionshintern. Die, die treffen, tun allerdings wirklich weh…
Wie sich Kern ein unangepasstes Kino vorstellt, lässt der Trailer seines letzten Films erahnen:
(Eingestellt von Christoph)