In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Der Regisseur und Produzent Peter Schamoni ist tot († 14.06.2011). Er hatte eine lange und vielfältige Karriere, die auf eine produktive Art unreiner war als die vieler seiner Zeitgenossen des „Jungen deutschen Films”. 1962 war er Unterzeichner des Oberhausener Manifests, 1966 gewann er mit seinem Debütfilm SCHONZEIT FÜR FÜCHSE den silbernen Bären, im Jahr darauf produzierte er May Spils legendäre Komödie ZUR SACHE SCHÄTZCHEN sowie drei Filme seines Bruders, Ulrich Schamoni (ALLE JAHRE WIEDER, 1966; QUARTETT IM BETT, 1968; EINS, 1971). Fünf weitere eigene Spielfilme folgten, die Anschluss an das internationale Unterhaltungskino suchten (und trotz einiger Erfolge nicht fanden), darunter DEINE ZÄRTLICHKEITEN, ein Inzest-Drama mit Uli Lommel (1969), POTATO FRITZ (1975), eine Wild-West-Abenteuergeschichte mit Hardy Krüger (und dem Fussballer Paul Breitner in einer Nebenrolle) und FRÜHLINGSSINFONIE (1983), eine musikalische Liebesgeschichte mit Herbert Grönemeyer (als Robert Schuhmann) und Nastassja Kinski (Clara Wieck). Parallel dazu entwickelte sich eine dokumentarische Nebenlinie von Künstlerfilmen (FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER, 1972), die in den letzten Jahrzehnten zur Hauptsache und wohl auch Nische Schamonis wurden (MAX ERNST, 1991; NIKI DE SAINT PHALLE, 1994; BOTERO, 2008).
(Eingestellt von Christoph)
Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
Kommentare sind geschlossen.

öhm, schon gefunden: 1983
von wann datiert frühlingssynphonie?