In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Zwei Fundstücke aus der an Grausamkeiten reichen Filmgeschichte, einmal mit und einmal ohne Happy End:
„Chaplin beschloss jedoch, den fertigen Film [Josef von Sternbergs vierten Spielfilm, A WOMAN OF THE SEA] nicht in den Verleih zu geben, da er zu intellektuell für den Massengeschmack sei. In den dreißiger Jahren ließ Chaplin das Negativ vernichten, um die Drehkosten steuerlich absetzen zu können. Die wenigen Menschen, die den Film gesehen haben, behaupteten, es sei eine der schönsten und visuell beeindruckendsten Arbeiten des amerikanischen Kinos.” Quelle: Wikipedia
„Der Erfolg von GASLIGHT auf Bühne und Leinwand ermutigte MGM, die Remake-Rechte zu kaufen. [David Selznick] setzte eine Klausel durch, wonach alle existierenden Kopien der englischen Filmversion zerstört werden mussten. Zwar wurden insgeheim Kopien gerettet, aber im Gegensatz zu George Cukors Hollywood-Version von 1944 fristete Thorold Dickinsons GASLIGHT für Jahrzehnte eine Schattenexistenz.” Quelle: screenonline.org.uk
(Eingestellt von Christoph)