In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Heute abend, 20 h, in der Reihe PAPAS KINO?, im Zeughaus:
Georg Tresslers DAS TOTENSCHIFF (D 1959). Mit Horst Buchholz, Mario Adorf, Helmut Schmid, Elke Sommer. Wer kommt mit?

„Revolver Filmclub” ist ein unregelmässiger gemeinsamer Kinoabend mit angeschlossener Netzöffentlichkeit. Aber vielleicht kommt ja auch eine analoge Diskussion zu Stande?
(Eingestellt von Christoph)
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Lukas Förster hat seinen Eindruck auf seinem Blog gepostet:
http://somedirtylaundry.blogspot.de/2012/04/das-totenschiff-georg-tressler-1959.html
Von diesem Film ausgehend bin ich also auf der Seite der Oberhausener … Wenders (der 1962 erst 17 war, aber im Windschatten des Manifests groß geworden ist) schreibt auf der Cannes-Seite zum deutschen Kino der 50er: „They could have been our fathers, but we neither sought them out nor accepted them.” Christoph
Nicht die versprochene Glanzstunde des deutschen Kinos. Michael Baute und Lukas Förster lobten im Gespräch danach die „Körperlichkeit” (Baute) und „tänzerische Choreographie” (Förster) und schienen recht angetan. Ich war nicht glücklich mit dem Film. Die mässigende, altbackene Dramaturgie arbeitet gegen den Roman; Tressler kann sich den Stoff aber doch nicht ganz aneignen. Vom existenzialistischen Furor der Vorlage bleiben nur Schnörkel im Dialog – der Film bewegt sich in seiner Tonart uneben zwischen UFA-Schmelz (eine Spielart des „poetischen Realismus”) und Abenteuer-Reisser. Auch wenn die Bilder der harten Bedingungen auf See beeindruckend sind, das Spiel hebt diese Härte gleich wieder auf, an Buchholz perlt jede Strapaze ab, Adorfs Figur schlingert unschlüssig zwischen sentimental und zynisch, bleibt im Zweifel harmlos äusserlich, wie der Rest des Films. Adorfs Wahn am Ende bleibt so sehr Behauptung wie die Freundschaft mit Buchholz zuvor; am Unerträglichsten aber war mir die Liebesgeschichte zwischen Buchholz und Sommer. Sie ist dienstwillig von der ersten Sekunde an, anbiedernd in ihrem Interesse, verhält sich gegen jede Erfahrung, ohne dass man die Ausnahme der Begegnung, den Funken, spüren könnte. Eine Männerfantasie…