In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Samstag 26.1.2019 um 17h-18h im Kino Palace in Solothurn, Schweiz
Französisch mit Simultanübersetzung auf Deutsch
Die “Rencontre” der 54.Solothurner Filmtage blickt auf das Werk des Schauspielers Bruno Todeschini (*1962 in Neuenburg, Schweiz), der in seinen Rollen die Höhen und Tiefen menschlicher Beziehungen durchlebt. Die Wirren der Jugendliebe, die Routine der Ehe, die Einsamkeit vor dem Tod: er kennt und beherrscht das Repertoire der Gefühe. Den stürmischen Latin-Lover spielt er ebenso virtuos wie den einsamen Wolf und den undurchsichtigen Geheimagenten.
Revolver-Mitherausgeberin Saskia Walker führt ein Gespräch über seine Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Regisseur*innen wie Patrice Chéreau, Sophie Fillières, Angela Schanelec, Arnaud Desplechin und Jessica Hausner.