In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
David Mamet ist ein Meister der Falltür-Dramaturgie. Wie in seinem faszinierenden Debüt HOUSE OF GAMES (USA, 1987) geht es eigentlich in allen seinen Filmen um die Täuschung als eine leere Operation, die von der nächsten Täuschung umgedreht, aber nicht entkräftet wird. Man kommt nie näher an die Wahrheit, alles was sich ändert ist die Interpretation der lückenhaften Wahrnehmung. Das Tolle ist, dass man als Zuschauer von Kurzschluss zu Kurzschluss ins Rotieren gerät und schliesslich alles für möglich hält. Dass Mamet auch in seinen politischen Ansichten Pirouetten dreht (Ekkehard Knörer schreibt hier über die Hintergründe), wundert insofern nicht, als dass auch seine Ratgeber in Sachen filmischer Dramaturgie (in Deutschland im Alexanderverlag erschienen) oft lächerlich dogmatische Texte sind; in scharfem Ton formuliert Mamet Regeln, die mal treffend, mal schön absurd, mal blöde sind, sich aber immer auf eine „Logik” berufen, die sein Geheimnis bleibt. Er selbst erklärt das so: „I’ve always been more comfortable sinking while clutching a good theory than swimming with an ugly fact.”
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Erzählung als rotierende Verschwörung: David Mamets HOUSE OF GAMES.
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(Eingestellt von Christoph)
