In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Unter den 100 besten Plakaten 2010 ist genau ein Filmplakat, und das wurde nicht verleihseitig, sondern von einem Kino in Auftrag gegeben *). Natürlich kann man die Auswahl der Jury kritisieren oder das Spektrum der Einreichungen in Zweifel ziehen, aber die Bilanz ist trotzdem niederschmetternd. Es mag das eine oder andere gute Filmplakat gegeben haben im letzten Jahr (etwa Mark Thomanns Arbeiten für Thomas Heise), im Großen und Ganzen aber liegt die Kunst des Filmgrafik in Deutschland brach. Das ist schade, nicht nur angesichts einer großen Tradition, sondern auch, weil es so viele gute Grafikbüros in Deutschland gibt, wie auch die 100-Plakate-Ausstellung wieder zeigt. Warum die Verleiher so hartnäckig auf das altbackene Show-All, auf in Wolken gesoftete Gesichter und zweifelhafte Typo-Lösungen setzen, wo doch schon aus der Differenz Aufmerksamkeit zu schlagen wäre, werde ich nie verstehen.
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Entstand für das studentische kino.120a in Halle: Gerald Wagners preisgekröntes Plakat zu Lars von Triers ANTICHRIST.
Die „100 besten Plakate” sind noch bis zum 17. Juli 2011 in der Berliner Kunstbibliothek / Kulturforum zu sehen.
(Eingestellt von Christoph)
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Danke für den Hinweis — habe ich übersehen. C
Nur als kleine Ergänzung:
Unter der Auswahl befindet sich ein weiteres Filmplakat. "Longing For Beauty", eingeordnet unter "Herburg Weiland". So weit ich es sehe, vom Regisseur selbst in Auftrag gegeben.
Viele Grüße,
Constantin
Die Plakate werden in aller Regel von den Verleihern bestimmt. So war es auch bei mir. Mein Einfluss hielt sich bisher in engen Grenzen. Meine Meinung wurde gehört, Anregungen wurden gelegentlich aufgegriffen, aber welches Büro zu Beispiel beauftragt wird, konnte ich leider nicht bestimmen. Auch wenn ich immer wieder versuche, Überzeugungsarbeit zu leisten: vertraglich bin ich machtlos.
Christoph
http://www.new-video.de/co/raeuber10.jpg
http://www.new-video.de/co/unterdirdiestadt11.jpg
Allein wenn man diese beiden Plakate (von Räuber und Unter dir die Stadt) nebeneinanderhält wirkt es schon schematisch: große Titelschrift, Hauptdarsteller, Ein Film von + eine Portraitaufnahme.
Deshalb die Frage: Wie sind denn eure eigenen Filmplakate zustande gekommen?
Grüße,
Florian