In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
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| Bei der Arbeit an den BUDDENBROOKS: Heinrich Breloer im Online-Archiv. |
Die Deutsche Kinemathek in Berlin, eine an Archivschätzen reiche Institution, mit deren Bestand sich nur wenige Häuser in der Welt messen können, beginnt langsam, Teile der vielfältigen Zeugnisse zur deutschen Filmgeschichte online verfügbar zu machen. Soweit die gute Nachricht. Irritierend aber, dass dieses überfällige Unternehmen ausgerechnet mit dem Produktionsarchiv von Heinrich Breloer beginnt, der hochtrabend als „der Anthropologe der Republik” bezeichnet wird, statt etwa mit dem Weimarer Kino oder der Sammlung Werner Herzog (die im September online gehen soll). So oder so, man gewinnt einen ersten Eindruck, wie sich die Kinemathek die Digitalisierung vorstellt, und dieser Eindruck ist viel versprechend, finde ich.
(Eingestellt von Christoph)
Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
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Das ist ja gut und schön, aber das Produktionsarchiv H.B. ist schwerlich das relevanteste im Fundus. Und da die Digitalisierung bei der DK sehr langsam voranschreitet, ist mir die Wahl unverständlich. C
Teilweise verständliche Reaktion. Ich freue mich aber trotzdem riesig auf den zweiten Teil von "Wehner – Die unerzählte Geschichte" (1993). Das Doku-Drama ist meines Wissens nicht auf DVD erhältlich und schildert nun mal ein Stück deutsche Geschichte auf faszinierende Weise. – Vor Breloers "Buddenbrooks" werden wir ja verschont. 😉